Kunstsammlung Jena
Städtische Museen Jena
Eine Einrichtung von JenaKultur.
Markt 7
07743 Jena
Tel. +49 3641 49-8261
Fax +49 3641 49-8255
kunstsammlung@jena.de
Kurator
Erik Stephan
erik.stephan@jena.de
Direktorin
Städtische Museen Jena
Dr. Kristin Knebel
Werkleitung
Friedrun Vollmer
Carsten Müller
Jana Gründig
Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag 10 – 17 Uhr
Montag geschlossen
Malerei · Zeichnungen · Installationen
20. Juni – 20. September 2026
Vernissage: Freitag, 19. Juni 2026, 19 Uhr
Zohar Fraimans Werke speisen sich aus der Allgegenwart der digitalen Medien und verarbeiten diese Einflüsse mit Pinsel, Öl und Leinwand in klassischen Bildformaten oder Installationen. Dabei überlagern sich kunsthistorische Referenzen an Botticelli, Balthus oder Modigliani mit Darstellungen von Prominenten, Zeichentrickfiguren sowie Sequenzen aus bekannten Disney-Filmen. Die zumeist weiblichen Protagonisten bewegen sich in einem komplexen Universum aus Farben und Formen, in einer Welt des Konsums, der Effekte und inmitten einer Vielzahl von fiktiven oder virtuellen Charakteren. Stillstand gibt es nicht, das Leben ist ein Prozess und geriert sich in Transformationen, der ohne Anfang und Ende sich selbst immer neu thematisiert.
Eingebettet sind all jene beunruhigenden Entwicklungen – das Abdriften in Filterblasen und die Entstehung von Strukturen – die die Grundlagen eines guten Miteinanders schleichend unterwandern. Nicht zuletzt ist es die Allgegenwart von Smartphones, die den Raum der Malerei noch zusätzlich aufsplittern. Das, was uns wie eine ins Heute gewendete Genremalerei begegnet, ist daher weit mehr als das Abbild einer Lebenswirklichkeit: Es beschreibt die rastlose Suche nach einer eigenen Identität, die im Angebot der vielen Möglichkeiten nur schwer zu finden ist.
Die Bilder reflektieren eine Entwicklung, in der echte zwischenmenschliche Nähe allmählich verschwimmt und ins Digitale abgleitet. Mit diesem sezierenden Blick, der hinter die Fassade von Selbstoptimierung, virtueller Existenz und Disney-Fantasien schaut, bewegt sich Fraiman am Puls der Zeit. Sie zeigt uns, dass das vermeintliche Paradies lediglich eine Fata Morgana ist, in der Versprechungen nicht erfüllt und Sehnsüchten nicht nachgegeben wird.
Die Gemälde wirken spontan und heiter, unbeschwert und bilden die Gegenwart jüngerer Generationen ab. Hinter der kuschelbunten „instagrammability“ sind die kreierten Identitäten jedoch keineswegs klar konturiert, sondern zerfließen in Zustandsbeschreibungen, die keine Ruhe kennen und einer permanenten Neujustierung bedürfen. Das Leben ist ein Gesamtkunstwerk und muss in all seinen Facetten täglich angepasst, kuratiert und den neuesten „aesthetics“ angeglichen werden. Perfektion ist kein Spaß, sondern Pflicht, wenn man dabei sein will.
Die Figuration der Bilder ist weiblich bestimmt, darüber sind von der Katze bis zur Pizza allerlei unverfängliche Dinge zu sehen, die jedoch oft eine mehrdeutige Funktion in den verschachtelten Bildräumen erfüllen. In der Ausstellung öffnen Spiegel die Fenster in eine andere Realität und oft entpuppt sich das, was man zu wissen glaubte, als Irrtum. So erblicken die Schwäne auf dem Gemälde Genuinely Pretending auch nicht ihr eigenes Antlitz, sondern einen Flamingo. Der Titel des Bildes spielt mit diesen existenziellen Unsicherheiten, mit der verzweifelten Sehnsucht einem Ideal, das weder realistisch noch erreichbar ist. In der Ausstellung erlebt die surreale Verwirrung eine kongeniale Nachbildung, indem sich Schwäne, die Flamingos sein wollen, um Krocket-Schläger winden, um auf dem legendären „Krocketplatz der Königin“ – ganz wie in Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ – bestehen zu können. Als Kugeln werden in unserer Ausstellung jedoch keine Igel gerollt.
Zohar Fraiman wurde 1987 in Jerusalem geboren und lebt und arbeitet seit 2009 in Berlin. Sie studierte an der Jerusalem Studio School und schloss ihr Studium als Meisterschülerin an der Universität der Künste Berlin 2015 ab. Fraimans Arbeiten sind regelmäßig in internationalen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen, darunter im Museum der bildenden Künste Leipzig (2019), Petach Tikva Museum of Art, Israel (2019), National Gallery Bucharest, Rumänien (2024) und im Kunstpalais Erlangen (2025). Darüber hinaus sind Werke der Künstlerin teil von öffentlichen und privaten Sammlungen in Belgien, Israel, USA, Puerto Rico und Deutschland.
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