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Kunstsammlung Jena
Städtische Museen Jena
Eine Einrichtung von JenaKultur.
Markt 7
07743 Jena

Tel. +49 3641 49-8261
Fax +49 3641 49-8255
kunstsammlung@jena.de

Kurator
Erik Stephan
erik.stephan@jena.de

Direktor
Städtische Museen Jena
Dr. Ulf Häder

Werkleitung
Jonas Zipf (Werkleiter)
Carsten Müller
Thomas Vogl

Öffnungszeiten

Josef Nowinka (1919-2014)

Malerei

Josef Nowinka, Unser Ziel, 1975, Oel/Lwd Josef Nowinka, Unser Ziel, 1975, Oel/Lwd ©Galerie LÄKEMÄKER Berlin

Ausstellung vom 7. Dezember 2019 bis 12. April 2020

Josef Nowinka, Ostseeurlaub mit Schwan, 1981, Oel/Lwd Josef Nowinka, Ostseeurlaub mit Schwan, 1981, Oel/Lwd ©Galerie LÄKEMÄKER Berlin

Das malerische und skulpturale Werk von Josef Nowinka ist eine Entdeckung, die bis vor kurzem in der Wohnung der Familie schlummerte und keinerlei Öffentlichkeit erfahren hat. Das ist erstaunlich, war doch Nowinka ein pointierter Zeichner und Grafiker, der für verschiedene Zeitschriften und das Fernsehen der DDR gearbeitet hat. Auf den ersten Blick wird der 1919 in Schlesien geborene und 2014 in Berlin gestorbene Künstler vorschnell als Naiver katalogisiert oder der Art Brut zugeschlagen. Doch weit gefehlt. Nowinka war in seiner Kunst ein gerissener Geschichtenerzähler, der seine Bilder durchdacht komponierte und spielerisch leicht Kunststile zitierte. Das Werk offenbart eine bewusste Auseinandersetzung mit der DDR einerseits sowie der Kunstgeschichte der Moderne andererseits. Die Gemälde legen Spuren zu Werken großer Künstler, sind nie epigonal, sondern immer ganz eigen.

Nowinka absolvierte ab 1934 eine Lehre als Lithograf und wurde mit Beginn des Zweiten Weltkriegs zur Wehrmacht eingezogen. Als Pilot bei der Luftwaffe desertierte er kurz vor Kriegsende mit einer provozierten Bruchlandung in Island und verbrachte zwei Jahre in Kriegsgefangenschaft. Nach einem Studium an der Kunsthochschule Weißensee arbeitete er als Grafiker und von 1970 bis zu seiner Pensionierung beim Fernsehen. Außerberuflich frönte er seiner vielfältigen Kunst, in der er auch Collagen, Assemblagen und Skulpturen fertigte. In der DDR freilich konnte Nowinka seine Arbeiten kaum öffentlich zeigen.
In der Regel begnügte er sich mit Ausstellungen in Privatwohnungen von Freunden. Die Bilder enthalten oft kritische Anspielungen auf den propagierten Sozialismus. In dem Gemälde „Unser Ziel“ von 1975 setzt Nowinka eine mondäne Frau mit modisch großem Hut, Kreuz an der Halskette und durchsichtiger Bluse kontrapunktisch vor eine DDR-Fleischfabrikation. Perspektive und die bildnerische Dominanz der Figur machen Nowinkas Präferenz greifbar. Fleischeslust und Fleischverarbeitung sind hier in einen Kontext gezwungen. Während die Rinder noch kurz vor dem bevorstehenden Tod kopulieren, zeigt sich oben am Himmel ein Flugzeug, das wie ein Symbol der Sehnsucht ungehindert Grenzen überfliegt. Die Anspielungen machten das Bild untragbar für die Kunstöffentlichkeit in der DDR. Das von 1961 stammende Gemälde „Fachverkäuferin“ zeigt eine Metzgerin mit knallrotem Mund und lackierten Nägeln. Wie für einen Blick in die Kamera hält sie beim Zerlegen des Fleisches inne und lächelt die Betrachter selbstbewusst an. Im Hintergrund eine Schweinehälfte, totes Geflügel am Haken und links ein aufgebahrter Schweinekopf.

Einige Frauenporträts von Nowinka finden stilistische Anleihen an Picasso. Eine tückische und ländliche Szene an der Staatsgrenze ist ausgerechnet mit „Die Rote Fahne“ (1975) betitelt. Die titelgebende Fahne am Haus ist eher knallig pink, und im offenen Fenster zeigt sich eine Nackte, während vor dem Haus eine alte und blinde Frau neben einem Hackklotz zu sehen ist. Etwas versteckt in der Wiese kurz vor der Grenze ein Liebespaar, während etwas weiter ein Grenzpolizist sein Wasser am Strommast abschlägt. Leichthändig hat Nowinka Eros und Tod, Alter und Jugend, Libertinage und Repression zu einem narrativen Bild komponiert.

Josef Nowinka, Fachverkaeuferin, 1961, Oel/Hf Josef Nowinka, Fachverkaeuferin, 1961, Oel/Hf ©Galerie LÄKEMÄKER Berlin

Neben Positionen aus der aktuellen Kunst und der klassischen Moderne stellen wir immer wieder auch KünstlerInnen vor, deren Arbeitsschwerpunkt in den Jahren der DDR lag. Diese spezifisch aus dem Osten geprägten Werkbiografien erklären sich aus dem Bestand unserer Sammlung aber auch aus einer Erwartungshaltung unseres Publikums. Bis heute haben es KünstlerInnen aus jenem Bereich vergleichsweise schwer, eine genügend große Aufmerksamkeit zu erzielen. Das Werk Josef Nowinkas ist in vielfacher Hinsicht ungewöhnlich. Es entstand im Verborgenen, wurde selbst zu Lebzeiten des Künstlers kaum gezeigt und die naiv vorgetragene, hintersinnige Bildsprache führte schon damals zu einer Außenseiterposition, die sich wie ein Kokon um Künstler und Werk gelegt hat. Umso überraschender ist das Werk, das erst kürzlich neu entdeckt wurde und durch künstlerischen Einfallsreichtum, eine originäre und eigenwillige Bildsprache und eine geradezu subversive Heiterkeit auffällt, die in der Kunst eher selten anzutreffen ist.

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