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FRANK GAUDLITZ. ZWISCHEN ZEITEN

Fotografien 1986 – 2026

©Kunstsammlung Jena / Frank Gaudlitz

27. Juni – 20. September 2026

Vernissage: Freitag, 26. Juni 2026, 19 Uhr

Fotografieren und Reisen bilden bei Frank Gaudlitz oftmals eine Einheit. In umfangreichen Langzeitprojekten hat sich der Fotograf mit Osteuropa, Russland und Südamerika auseinandergesetzt. Seine großen fotografischen Folgen spannen einen Bogen zwischen epochalen Ereignissen und Einzelschicksalen.

Frank Gaudlitz studierte an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Arno Fischer und ist seitdem mit zahlreichen Stipendien und Preisen geehrt worden. 

Die Ausstellung in der Kunstsammlung Jena folgt einem retrospektiven Ansatz, der mit Aufnahmen von Arbeiterinnen einer Chemischen Reinigung und Wäscherei in Leipzig 1989 beginnt und mit Künstlerporträts aus einem laufenden Projekt endet. In den 40 Jahren seines Schaffens ist ein Porträtwerk entstanden, das sich über die topografische Verortung und die Evidenz des Bildes definiert.

Auf Reisen in die Sowjetunion fotografierte Gaudlitz Ende der 1980er Jahre den „Homo Sowjeticus“, einen Typ Mensch, den es schon wenige Jahre später, nach dem ökonomischen Zusammenbruch, nicht mehr geben sollte. In den 1990er Jahren reiste Gaudlitz regelmäßig nach Russland, wo es ihm gelang, den Kollaps eines Systems und dessen Auswirkungen auf das Leben in ausdrucksstarken Bildern zu erfassen. Die Bilder zeigen Industrieanlagen, Sperrgebiete, Schwarzmärkte, vor allem jedoch Menschen, die oft so hoffnungslos wirken, dass Perspektiven kaum vorstellbar sind. 2017/18 kehrte Gaudlitz nach Russland zurück und erlebte ein stark verändertes Land, in dem autoritäre Strukturen den Alltag bestimmten. So entstand aus einem der bedeutendsten Langzeitprojekte des Künstlers ein großer visueller Essay über die Transformation einer Gesellschaft, deren Wandlungen einen tiefen Riss zwischen Ideologie und Wirklichkeit freigesetzt haben.

 Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine porträtierte er ukrainische und russische Geflüchtete in den ehemaligen sowjetischen Unionsrepubliken Moldau, Georgien und Armenien und sprach mit ihnen über ihre schicksalhaften Lebenswege.  

Die fotografische Ausrichtung nach Osten umfasst ebenso unter Warten auf Europa ein Porträtprojekt zur EU-Osterweiterung, mit dem Gaudlitz den Menschen im Donauraum ein personalisiertes Antlitz und eine Stimme verliehen hat.       

Gaudlitz_naturaleza muerta con hergon, Amazonien 2014 Gaudlitz_naturaleza muerta con hergon, Amazonien 2014 ©Frank Gaudlitz

Sowohl in Russland als auch in Südamerika widmete sich der Fotograf den Expeditionen Alexander von Humboldts, dem er sich im Entdecken, Erfahren und Verstehen sozialer Zusammenhänge nah fühlt. Der amerikanischen Reise des deutschen Forschers über sieben Monate folgend, entstanden Landschaftsaufnahmen in Schwarz-Weiß, die seine Porträts aus Kolumbien, Ecuador und Peru im Projekt Sonnenstraße in einen naturhaften Zusammenhang setzen und ihnen eine soziale Resonanz verleihen. Gaudlitz gelingt es, in fremden Kulturkreisen, die Empathie auf die Menschen, mit denen er in Beziehung tritt, zu übertragen. Gleiches gilt für eine umfangreiche Porträtserie über Transfrauen in der Amazonasregion, denen er selbstinszenierte Stillleben gegenüberstellt. Schönheit und Vergänglichkeit stehen als gleichwertige Metaphern für das Leben der Protagonistinnen. Die Einbeziehung begleitender Motivwelten innerhalb eines Themenschwerpunkts ist auch in dieser Arbeit als Prinzip seines fotografischen Werks erkennbar.

Frank Gaudlitz fotografiert in dem Bewusstsein, dass der Mensch in einem historischen und sozialen Momentum stehen muss. Indem er eine große Nähe zu seinen Motiven aufbaut und sich selbst auch schwierigen Lebenssituationen aussetzt, kommt er den Menschen im doppelten Sinn nah, als Anwesender auf Augenhöhe und Fotograf.

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